Puccini’s Madam Butterfly in 3D

Es gibt Bücher, Musicals, Filme und Opern, bei denen ich nur den Titel und vielleicht ein paar kleine Informationen brauche, um zu wissen, dass das genau die Art von Geschichte ist, die mir gefallen und mich tief im Innern berühren wird.

Madam Butterfly ist eine dieser Geschichten.

Das Kino:

Da nur UCI dieses Stück zu ganz ausgewählten Zeiten gespielt hat, musste ich mich notgedrungen dorthin bewegen. Dabei musste ich einige überraschend positive Dinge feststellen. Zum ersten, dass ich mit Bus+Bahn schneller bei diesem UCI bin, als bei meinem favorisierten Cinemaxx. Zweitens, dass der Kassierer und sein Kollege sehr nett und zuvorkommend waren. Obwohl ich die 3D-Brille extra noch in meine Manteltasche getan hatte, damit ich beim bezahlen nicht vergesse, anzugeben, dass ich keine extra kaufen muss, habe ich es natürlich vergessen, als ich dran war. Der Herr hat mich aber noch gefragt und sein Kollege merkte an, dass ich mit meiner ADAC-Karte auch noch Rabatt bekommen würde. Sehr toll! Da ich in diesem UCI bisher noch nicht gewesen war – beziehungsweise das letzte Mal vor zehn Jahren oder so – habe ich ihn gefragt, ob ich oben vor den Sälen noch irgendwo sitzen kann, um ein wenig zu schreiben, weil ich recht früh da war. Er war sehr freundlich und hat noch ein paar Witze gemacht. Sehr guter Service also.
Die Toiletten, die Säle und die Aufenthaltsräume waren alle sehr geräumig und sauber.
Leider war der zweite Kinosaal keine drei Meter von meinem entfernt, weshalb ich bei geöffneter Tür, als noch keine der Vorstellungen begonnen hatte, sogar hineinschauen konnte. Da ich wusste, dass in dem Saal „The Avengers“ laufen würde und ich selbst gemerkt hatte, wie laut dieser Film ist, schwante mir, dass der liebliche Gesang der Madam Butterfly teilweise von Explosionen begleitet werden könnte. Letzteres traf leider auch zu, aber nur ganz selten und man konnte es überhören.

Das Publikum:

Es waren, einschließlich mir, etwa 12 Personen anwesend. Alle mindestens fünfzig bis achtzig. Und natürlich hatte ich das Glück – obwohl ich mir extra einen Platz relativ weit vorne und am Rand ausgesucht hatte – dass keine drei Sitze neben mir eine schnatternde fünfer Frauengruppe Platz nahm, welche nicht in der Lage waren ihr verdammtes Popcorn leise zu futtern (so wie die das Popcorn in sich hineingestopft haben war das wirklich schon animalisch).  Allerdings haben sie relativ schnell nach Beginn der Aufführung damit aufgehört, weil ich sie unverwandt und böse angestarrt hatte. Keine fünf Minuten später und ich wäre explodiert. Irgendwann baue ich mir ein eigenes Kino und da darf dann niemand rein außer mir selbst! Oder es wird einfach kein Popcorn verkauft…
Alle anderen waren aber leise und annehmlich.

Der Film:

Bevor ich auf den Inhalt zu sprechen komme, möchte ich die wahnsinnig tolle Aufnahmequalität loben. Es war eine Aufführung des Royal Opera House London und durch die tollen Kameraeinstellungen und die unglaubliche Schärfe hatte ich das Gefühl selbst mit auf der Bühne zu stehen. Mir hat auch gefallen, dass man den Applaus und die Reaktionen der Zuschauer nicht rausgeschnitten, sondern bewusst beibehalten hat.
Vom Klang war ich leider nicht so überzeugt, der wirkte mir nicht raumfüllend genug. Aber das habe ich auch kaum erwartet, natürlich kann nichts eine Live-Aufführung in einem Opernhaus ersetzen. Auch waren mir die Untertitel zu tief. Sie hätten ein kleines Stückchen höher sein können, denn so hat man meistens die Mimik der Darsteller außer Acht lassen müssen.
Aber nun zur tragischen Geschichte.
Der junge amerikanische Marineleutnant B.F. Pinkerton, stationiert in Nagasaki, bekommt ein Haus vermittelt – im Kaufpreis inbegriffen ist die fünfzehnjährige Geisha des Hauses Cho-Cho-San, auch „Butterfly“ genannt. Sie glaubt, nachdem Pinkerton die Hochzeit mit ihr bekannt gegeben hat, die glücklichste Frau der Welt zu sein und sieht nur das Gute in ihm. Jener erzählt jedoch seinem Freund, dem Konsul Sharpless, bereits am Tage der Hochzeit, dass er eines Tages ohnehin eine Amerikanerin heiraten werde und das das Leben in Nagasaki und die Ehe nicht für lange Zeit gedacht sind. Der Konsul warnt ihn allerdings und sagt ihm, dass er mit dem armen Mädchen keine Spielchen treiben soll, da sie es ernst meint und alles für ihn aufgeben würde. Und genau das tut sie auch. Sie möchte so gut es geht für ihren Mann eine Amerikanerin sein; aus welchem Grund sich ihre Familie von ihr abwendet.
Die Geschichte macht einen Sprung von drei Jahren und man sieht Butterfly mit ihrer Dienerin allein und arm im Haus. Pinkerton ist kurz nach der Hochzeit wieder nach Amerika gegangen und versprach ihr, eines Tages wiederzukommen. Obwohl alle Welt ihr rät ihn aufzugeben und sich einen neuen Mann zu suchen ist sie von der gemeinsamen Liebe überzeugt und merkt dabei nicht, wie sie jeden Tag, jede Minute immer mehr von sich verliert, bis zum bitteren Ende…

Eines kann ich mit Gewissheit sagen. Ich habe seit „Phantom der Oper“ damals in London nicht mehr so sehr in einem Theater- beziehungsweise Kinosaal geweint. Wäre ich allein gewesen hätte ich laut geschluchzt und mir die Hände vor das Gesicht gehalten. Gott, selbst beim Schreiben kullern mir wieder Tränchen über die Wange.

Die Liebe, die Butterfly empfindet und die Hoffnung, die sie trägt, ist so überwältigend und doch so naiv, dass es einem nur das Herz brechen kann. Die Schauspieler – allesamt – haben mich komplett überzeugt und mich tief bewegt. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich über meinen Schatten gesprungen und (ermäßigte!) 18 Euro für das Ticket ausgegeben habe, denn dieses Stück hat mich sehr zum Nachdenken angeregt und ergriffen.
Ich habe es oft bei italienischen Opern, dass ich einfach die Augen schließen und die Empfindungen in mir aufnehmen kann, ohne den Text zu verstehen. So war es auch hier. Ich habe ihren Schmerz, ihr Leid und ihre Qualen nur in der Intonation und der Musik gehört und musste nicht auf die Untertitel achten. In solchen bewegenden Momenten bekomme ich Gänsehaut, atme tief durch und fühle mich irgendwie lebendiger.
Ich weiß, dass viele in meinem Alter Opern für langweilig, verstaubt und blöd halten. Doch schon als Kind war ich begeistert davon, überhaupt liebte ich alles, was auch nur irgendwie auf einer Bühne stattfand. Das ist bis heute geblieben und ich habe das Gefühl, dass diese Liebe für die Kunst von Jahr zu Jahr stärker und größer wird.

Hach… ich muss mal wieder in die Staatsoper… Das nehme ich mir jetzt vor!

Aber zurück zu Madam Butterfly. Dieses Stück ist ein wahres Meisterwerk und obwohl in diesen 130 Minuten nicht viel passiert ist, kamen mir diese zwei Stunden wie ein kurzer Augenblick vor. Ich wäre am liebsten gar nicht gegangen und hätte ihn mir noch mal ansehen können. Dieses Mal mit geschlossenen Augen, nur um die Musik gänzlich in mir aufzunehmen.

Ich denke, ich habe eine neue Lieblingsoper gefunden und ich danke UCI Hamburg, dass sie diese Aufführung übertragen haben.

Die Aufführung mit allem drum und dran bekommt

5 von 5 Trauerkrönchen

Xoxo,

The Princess

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