Ellen Dunne: Wie du mir

Ich hatte das große Glück, es als eBook zu erhalten, um dann meine ehrliche Meinung dazu zu schreiben. Ich war sehr glücklich darüber, denn die Thematik ist für mich mal etwas anderes und hebt sich – meiner Meinung nach – vom Mainstream ab, was wirklich sehr erfrischend ist.

Die Geschichte spielt im Nordirland der frühen neunziger Jahre und behandelt die – heute immer noch aktuelle – Krisensituation dort.

Im Fokus stehen zwei Charaktere. Zum einen der Polizist Will, dessen Frau bei einem Anschlag stirbt, der eigentlich ihm gegolten hatte und auf der Gegenseite der Terrorist Dally Ferguson, welcher für dieses Attentat zuständig war. Jener will sich mittlerweile allerdings aus diesen Kreisen zurückziehen und sein Unbehagen scheint mit jeder Minute mehr zu steigen. Er sehnt sich nach einem Leben, das er schon lange aufgehört hatte zu leben und bereut nun seine früheren Entscheidungen.

Will sinnt jedoch auf Rache und versucht zusammen mit seinem Freund und Kollegen Hugh den Schuldigen am Tod seiner Frau zu finden…

Durch die Auflistung aller wichtigen Gruppierungen am Anfang des Buches war es für mich nicht ganz so schwer den Zusammenhang zwischen den Einzelnen zu verstehen. Ich hatte zu Beginn lediglich mit den vielen Namen Schwierigkeiten und war nicht gleich sicher, wer zu welcher Seite gehört. Das legte sich aber schnell und ich konnte ohne große Probleme tiefer in die Story vordringen.

Besonders gut an diesem Buch hat mir gefallen, dass die Autorin keine Seite vertritt. Beide Charaktere werden gleich neutral und überzeugend geschildert ohne, dass automatisch davon ausgegangen wird, dass Dally der „Böse“ ist. Hier gibt es kein Schwarz und Weiß, die Linien zwischen den beiden Seiten sind fließend und das ist etwas ganz besonderes. Ellen Dunne überlässt es dem Leser, zu welchem der beiden Protagonisten man sich mehr hingezogen fühlt und lässt für beide Sympathien entstehen.

Das Buch ließ sich auch genau aus diesem Grund sehr flüssig lesen und es entstanden kaum Längen. Es wurde sehr lebhaft und detailliert erzählt, weshalb das Buch auch so greifbar für mich wurde und ich bei gewissen Szenen einen richtigen Schauer über den Rücken laufen spürte.
Zudem ist mir aufgefallen, dass ich mir sogar noch über die letzte Seite hinaus immer wieder Gedanken über die Charaktere und den Krieg als solches gemacht habe, was ich nur bei ganz wenigen Büchern habe.
Es fesselt einen extrem und lässt einen nicht mehr los. Besonders, weil ich gestehen muss, dass ich tatsächlich teilweise mehr auf Dallys Seite stand, da ich seine Handlungen und Empfindungen sehr gut nachvollziehen konnte. Im Ganzen hat er mir sogar besser gefallen als Will.

Menschen, die mich und meine Rezensionen kennen, wissen, dass ich meistens auf der Seite des „Bösewichts“ stehe, aber hier ist das anders. Im Normalfall würde ich nämlich sagen, dass ich für keinen Terroristen jemals Sympathie empfinden würde; egal ob real oder fiktiv. Doch durch Ellen Dunnes gelungene Charakterisierung und Darstellung ging es gar nicht anders.

Ich kann dieses Buch ausdrücklich jedem empfehlen, der mal etwas anderes lesen möchte, als es sonst so auf dem Markt gibt. Außerdem ist es gut für die Menschen geeignet, die gerne über den Bücherrand hinaus über die behandelten Themen nachdenken und bis zur letzten Seite gefesselt werden möchten.

Xoxo,

The Princess

Douglas Preston & Lincoln Child: Gideon’s Sword

Nichts und niemand geht über Special Agent Pendergast. Das ist so und wird auch immer so bleiben.
Vielleicht der Hauptgrund, weshalb ich Thrillern, die nicht von Preston & Child sind, so gut wie keine Chancen einräume.
Doch meine beiden Lieblingsautoren hatten schon vor einer Weile beschlossen, einen zweiten Agenten auf den Plan zu rufen; nämlich Gideon Crew. Nun, der Name sagte mir von Anfang an nicht zu und das tut er bis heute nicht. Aber dennoch wollte ich ihm eine Chance geben, da ich Pendergast vergöttere und – durch die Tatsache, dass er von Preston & Child kreiert wurde – hoffte, einen würdigen Konkurrenten in Gideon zu finden.

Doch wer ist Gideon Crew eigentlich? Ist er wie Pendergast?
Um es kurz zu fassen: Er ist das genaue Gegenteil von Aloysius. Er ist mehr wie James Bond – was im Ansatz nicht schlecht ist, denn auch diesen liebe ich über alles.
Dennoch hat er etwas an sich, das mir nicht gefällt. Was es genau ist, kann ich nicht genau erfassen, aber seine Art geht mir manchmal tierisch auf die Nerven. Wenn man an einen Charakter gewöhnt ist, der nachdenkt, bevor er handelt und die meiste Zeit stillschweigend über Dinge grübelt kommt Gideon wie eine unberechenbare Dampfwalze daher.
Er schleppt jede Frau ab, die ihm begegnet und nicht bei drei auf den Bäumen ist, schießt, bevor er Fragen stellt und ist auf einem – auf den ersten Blick – kopflosen Rachefeldzug, bei dem alles klein gemacht wird, was sich ihm in den Weg stellt.
Ich will nicht sagen, dass ich mich groß mit ihm angefreundet habe, aber ich „akzeptiere“ ihn als neuen Charakter von Preston & Child.

Die Geschichte an sich ist wie immer schnell und atemlos erzählt. Wenigstens das ist geblieben. Der Rest der Story ist allerdings bei weitem nicht so tiefgreifend und interessant, wie die Pendergast-Bücher.
Als Gideons Mutter starb erfährt er, dass sein Vater einem Komplott zum Opfer gefallen ist, weshalb Gideon ihn rächen möchte. Doch das ist nicht alles. Er hat einen Tumor im Gehirn, weshalb er nur noch eine begrenzte Zeit zu leben hat….

Während die Pendergast-Bücher vom Hauptcharakter leben, lebt dieses Buch mehr von der rasanten und interessanten Erzählweise. Wie gesagt, meistens hätte ich auch auf Gideon verzichten können.

Ich denke, dass ich es um einiges besser gefunden hätte, würde ich nicht längst eine hoffnungslose Pendergast-Fanatikerin sein. Ich werde mir dennoch bei Gelegenheit das zweite Buch holen 🙂

Daher gebe ich dem Buch:

3 1/2 von 5 Krönchen

Xoxo,

The Princess