The Cove – Die Bucht / Taiji 2012

Vor einigen Stunden liefen auf RTLNitro einige Dokumentationen. Normalerweise bin ich nicht diejenige, die sich gerne Dokus ansieht (außer geschichtliche oder politische), aber dennoch wollte ich diese verfolgen. Bereits 2010 bin ich über „The Cove“ gestolpert. Und zwar bei der Oscarverleihung, bei welcher der Dokumentarfilm gewann.
Schon zu diesem Augenblick wusste ich, dass ich diesen Film erst dann sehen kann, wenn es mir wirklich gut geht, da er mich ansonsten fertig machen würde.

Daher bin ich recht glücklich, dass RTLNitro ihn heute gezeigt hat und einige Tage vorher bereits Werbung dafür machte. So habe ich mich etwas darauf eingestellt – im Nachhinein kann ich nur sagen, dass man sich nicht genug auf diesen Film einstellen kann.

Vor dem Film lief die Doku-Serie „Whale Wars“, welche bereits stark an den Nerven zerrte und ich da schon nicht fassen konnte, was die Menschen der Natur antun.
Und dann begann „The Cove“.

Zuerst werden zwei Männer vorgestellt. Einmal Richard O’Berry (der Trainer von den Flipper-Delfinen) und der Regisseur Louie Psihoyos (Mitbegründer der „OPS“- Oceanic Preservation Society). Beide erzählen, wie sie zu Umweltschützern wurden und schildern, wie sie bemerkten, dass die Delfine immer mehr ausgebeutet werden und wie das Meer immer kränker wird.
O’Berry lud Psihoyos daraufhin nach Taiji, Japan, ein, um ihm eine Geschichte zu erzählen, die kaum einer kennt und auf den ersten Blick auf die kleine Küstenstadt wie ein Gerücht erscheint, wirkt sie mit ihren vielen Delphin- und Walstatuen wie das Mecca für alle Meeressäugerfreunde.
Doch es ist brutale Realität, die O’Berry Psihoyos präsentieren kann. Von September bis März werden Delfine in der beschaulichen Bucht bestialisch abgeschlachtet, um angeblich „Ungeziefer“ zu beseitigen, wie es die japanische Regierung darstellt. Ihrer Meinung nach sind die Delfine und Wale daran schuld, dass der Fischbestand im Meer zurückgeht.

Ja, genau, als ob der Mensch daran nicht die Alleinschuld trüge.

Nur etwa 5% der Delfine werden eingefangen, um sie dann an Delfinarien überall in der Welt zu verkaufen. Dort leiden sie unter der Gefangenschaft, auch wenn sie bei den Vorstellungen oft so fröhlich wirken. O’Berry erzählt von einem seiner Delfine und wie dieser starb.
Es brach mir das Herz.

Psihoyos erkennt schnell, dass etwas gegen diese Massentötung getan werden muss. Doch die Fischer, die Polizei und die Bewohner sehen die Fremden ungern in ihrer Kleinstadt. Es ist den Männern kaum möglich zu drehen, ohne, dass sie jemand bittet, die Kamera abzuschalten.
Ebenso werden sie auf Schritt und Tritt von Beamten verfolgt.
Ihnen ist bewusst, dass sie für ihre Aktion, die ganze Sache öffentlich zu machen, ganz besondere Leute brauchen. Hervorragende Taucher, die Mikrofone in der Bucht platzieren, um die Töne der Delfine aufzunehmen, jemand, der Kameras in gefälschten Steinen platziert und wie echte wirken lässt und jemand mit Militärerfahrung.
Ganz zu beginn sagt O’Berry, dass sie versucht haben, das ganze Vorhaben legal über die Bühne zu bringen. Doch wie so oft kann die Wahrheit nicht auf konventionellem Wege an die Oberfläche gelangen.

In einigen Nacht- und Nebelaktionen platzieren sie die Kameras und Mikrofone und nehmen Bilder und Töne auf, die ich wohl nie wieder aus meinem Kopf bekomme. Diese wunderschöne Bucht, geradezu ein Badeparadies, verwandelte sich in wenigen Sekunden in ein Schlachtfeld. Das wunderschöne blaue Wasser färbte sich rot, die ganze Bucht entlang. Die Sterbensschreie der Delfine waren markerschütternd und das Bild, wie sich ein Fischer nebenbei eine Zigarette anzündete, nachdem er die halbtoten Delfine auf sein Boot zog, hat in mir jegliche Dämme gebrochen.
Ich habe noch nie so sehr bei einer Sendung geweint. Es hat mich zerrissen, dass Menschen so etwas diesen Tieren antun können und – ich bin ganz ehrlich – am liebsten würde ich jedem einzelnen dieser Fischer ebenfalls einen Speer durch den Körper jagen.
Dennoch, am schlimmsten ist wohl die Tatsache, dass die Regierung die ganze Sache vertuscht und nicht einmal der Großteil der Japaner weiß, was in Taiji vor sich geht.
Und dass das Fleisch der Delfine höchst gesundheitsschädlich ist und es daher gar nicht in den Verkauf gelangen dürfte – wodurch auch keine Delfine mehr sterben müssten – ist ein weiterer Punkt, der mich nur den Kopf schütteln lässt.

Dieser Film hat mir in mehr als nur einer Hinsicht die Augen geöffnet. Besonders, weil danach ein Beitrag mit Jenke von Wilmsdorff (den ich sehr schätze) und dem Geschäftsführer von Atlanticblue e.V. Dieter Hagmann ausgestrahlt wurde, der sich komplett mit „The Cove“ deckt. Ich bin weiß Gott nicht jemand, der sich schnell beeinflussen lässt, da ich gerne alles hinterfrage, aber diese Dokumentationen haben mir die Skrupellosigkeit der Menschheit aufgezeigt und ich gehe mit der Meinung der Macher konform: Es muss etwas getan werden.

Es ist ein ferner, ferner Traum von mir und hach, ja, ich muss mein Studium zuerst beenden, aber ich möchte eines Tages im journalistischen Bereich arbeiten. Und nach dem heutigen Tag bin ich mir sicher, dass ich mich wohl auf andere Bereiche spezifizieren werde, als ich bisher immer vorhatte. Ich möchte etwas bewirken. Denn, wie auch gesagt wurde, Änderungen werden nicht von Organisationen oder Regierungen herbeigeführt.

Sondern immer nur durch die Macht und Entschlossenheit der Einzelnen.

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